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Malerstübchen

Sehen Sie sich die Karikatur Thielmanns „Die Tafelrunde im Malerstübchen“, die über dem Sofa hängt, einmal an.

Nach des Tages Arbeit sitzen die Maler zusammen bei einem guten Trunk, fröhlichen Lied und ernsten oder heiteren Gesprächen. Sie haben sich – es muss um 1890 gewesen sein – ihr Malerstübchen im alten Haase-Hof, dem damaligen Gasthaus, eingerichtet, im Laufe der Zeit mit ihren Bildern und Fotografien geschmückt und selbst die Türe mit Motiven der ländlichen Idylle Willingshausens bemalt.

Willingshausen ist die älteste europäische Malerkolonie: 1814 kam schwer verwundet Gerhardt von Reutern zu seinen Verwandten, den von Schwertzells. Er war im Zeichnen und Aquarellieren ausgebildet und fand Gefallen an der Landschaft, dem Leben und der malerischen Tracht der Schwälmer. So kehrte er nach seiner Genesung immer wieder zurück und arbeitete hier 1825 gemeinsam mit Ludwig Emil Grimm, dem jüngsten malenden Bruder der Märchensammler Jakob und Wilhelm Grimm. 1841 folgte aus Düsseldorf Jacob Fürchtegott Dielmann, 1849 Ludwig Knaus. Besonders durch ihn erlangte Willingshausen einen großen Ruf als Studienplatz.

So kamen Adolf Lins, Wilhelm Claudius, Hugo Mühlig, Emil Zimmermann, Hans von Volkmann und viele andere. Seit 1887 kam Carl Bantzer regelmäßig nach Willingshausen, der hier später jährlich mehrere Monate mit seinen Schülern verbrachte. Viele Maler schlossen sich an, u. a. Hermann Kätelhön, Paul Baum, Heinrich Otto und Heinrich Giebel.
Nur Wilhelm Thielmann zog ganz nach Willingshausen und blieb auch nach seiner späteren Heirat mit Frau und Kindern dort wohnen. Von den Bantzer-Schülern blieben einige jahrzehntelang dem sommerlichen Studienplatz in Willingshausen treu, z. B. Karl Hanusch, Wolfgang Zeller und Walter Waentig.

Die Motive der Willingshäuser Maler waren bestimmt durch die Landschaft und das bäuerliche Leben bei Festen und im Alltag. Die Dorfbevölkerung hatte ein gutes Verhältnis zu den Malern und sicherlich nicht nur wegen des zusätzlichen Verdienstes für die Unterbringung oder Modell stehen. Manche Freundschaften zwischen Malern und Eingesessenen dauerten bis zum Lebensende.

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges ließ der Zustrom an Malern nach, wenn auch die meisten der Genannten weiterhin regelmäßig in Willingshausen arbeiteten. Das Malerstübchen war in das Gasthaus Völker umgezogen. 1931 schlossen sich die Maler und Kunstfreunde Willingshausens zur „Vereinigung Malerstübchen Willingshausen e. V.“ zusammen, der noch heute die Betreuung des Malerstübchens obliegt.

Seit 1989 - 175 Jahre nachdem mit Gerhardt von Reutern der erste Maler nach Willingshausen kam – stellt die Gemeinde im ehemaligen Gasthof Haase, jetzt Gerhardt-von-Reutern-Haus, in welchem das Malerstübchen schon um die Jahrhundertwende seinen Sitz hatte, neue Räume zur Verfügung. So steht das Vermächtnis der alten Malerkolonie in angemessenem Rahmen der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 12.00 und 14.00 bis 16.00 Uhr
Montag geschlossen.
Größere Gruppen bitte anmelden.

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